Dienstag, 30 September 2025 13:44

Fischbestände in der unteren Elbe brechen ein

Dramatischer Rückgang der Fische in der Elbe Dramatischer Rückgang der Fische in der Elbe Pixabay/Foto illustrativ

Neue Untersuchungen zeigen einen drastischen Rückgang der Fischpopulationen in der unteren Elbe. Seit 2010 sind die Bestände um 90 Prozent geschrumpft. Betroffen ist ein Flussabschnitt von 80 Kilometern zwischen dem Mühlenberger Loch und Cuxhaven. Die Daten stammen von fünf Messstationen, die viermal jährlich Informationen zu Fischarten, Salzgehalt und Trübung liefern.

Inhaltsverzeichnis:

Studie der Universität Hamburg und des Leibniz-Instituts

Ein Team des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels und der Universität Hamburg wertete die Daten aus. Während sich die Elbe seit den 1980er-Jahren erholte, kam es ab 2010 zu einem drastischen Einbruch der Bestände. Betroffen sind Arten wie Stint, Flunder, Kaulbarsch und Finte.

  • Zeitraum: seit 2010
  • Rückgang: 90 Prozent
  • Messpunkte: 5 Stationen
  • Strecke: 80 Kilometer

Ursachen laut Jesse Theilen

Studienautor Jesse Theilen nennt mehrere Gründe für den Zusammenbruch. Durch das ständige Ausbaggern gelangt Schlick in die Flachwasserzonen, die für Jungfische überlebenswichtig sind. Nahrungssuche wird dadurch erheblich erschwert. Zudem verändern sich weitere Umweltfaktoren:

  1. Geringere Niederschläge lassen die Elbe salziger werden.
  2. Nordseewasser strömt schneller in den Fluss.
  3. Im Sommer entstehen Sauerstofflöcher, die für Fische lebensbedrohlich sind.

NABU und die Folgen für Vögel

Der Naturschutzbund (NABU) Hamburg sieht sich in seiner Kritik bestätigt. Vorsitzender Malte Siegert erklärte, dass Umweltschutzorganisationen seit Jahren vor den Folgen der Elbvertiefung gewarnt haben. Ohne Fische als Nahrungsquelle sind auch viele Vogelarten gefährdet. Damit droht langfristig ein Zusammenbruch ganzer Populationen. Siegert betonte, dass das gesamte Ökosystem unter Druck steht.

Hafenverwaltung und Wirtschaftsbehörde betonen Bedeutung

Die Hamburg Port Authority (HPA) verweist auf Ausgleichsmaßnahmen. Laut ihrer Darstellung seien die Baggermengen reduziert und ökologische Eingriffe kompensiert worden. Die Wirtschaftsbehörde betont zusätzlich die Bedeutung einer tiefen Fahrrinne. Ohne Ausbaggerungen verliere Hamburg Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze.

Hervorgehoben wurden Projekte wie:

  • Fertigstellung des Flachwassergebiets Kreetsand mit 30 Hektar Lebensraum (2023)
  • Unterbrechung der Baggerarbeiten bei Sauerstoffmangel
  • Kombination von ökologischen und strombaulichen Maßnahmen

Forderung von Katharina Fegebank

Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sprach von einer „bitteren Entwicklung“. Sie fordert neue Flachwasserzonen, um die Lebensräume der Fische zu sichern. Zudem sollen die Nordländer beim Umgang mit Sedimenten enger zusammenarbeiten.

Die Zahlen der Studie zeigen eindrücklich, wie stark menschliche Eingriffe den Lebensraum in der Elbe verändern. Damit steht nicht nur die Fischfauna, sondern auch die gesamte Biodiversität in der Region unter Druck.

Quelle: NDR