Mittwoch, 11 Februar 2026 17:15

Führerscheinreform 2026

Reform soll Führerschein günstiger und flexibler machen Reform soll Führerschein günstiger und flexibler machen Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Die Ausbildung zum Pkw-Führerschein kostet in Deutschland im Schnitt 3.400 Euro. In einigen Regionen sind es bis zu 4.500 Euro. Nun plant Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder eine Reform. Ziel ist es, die Kosten zu senken und die Ausbildung flexibler zu gestalten. Ein zentrales Element ist die Beteiligung von Freunden und Angehörigen an der Fahrausbildung.

Inhaltsverzeichnis

Patrick Schnieder und BMV in Deutschland

Das Bundesverkehrsministerium plant eine zeitlich auf fünf Jahre begrenzte Einführung der begleiteten Laienausbildung. Danach soll eine Auswertung erfolgen. Das Modell orientiert sich an Österreich. Es gilt ausschließlich für die Führerscheinklasse B.

Laienausbilder dürfen nahe Angehörige oder enge Freunde sein. Nicht nur Eltern. Auch ältere Geschwister kommen infrage. Voraussetzungen sind klar definiert

  • Besitz der Fahrerlaubnis Klasse B seit mindestens 7 Jahren
  • Kein Entzug der Fahrerlaubnis in den vergangenen 3 Jahren
  • Maximal 1 Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg

Die praktische Umsetzung ist ebenfalls geregelt. Vorgesehen sind 1.000 Kilometer Fahrleistung im Rahmen der Laienausbildung. Davor und danach müssen jeweils 6 reguläre Fahrstunden in der Fahrschule absolviert werden. Während der Übungsfahrten ist das Fahrzeug mit einer blauen Tafel mit weißem „L“ sowie einer zusätzlichen Tafel „Übungsfahrt“ zu kennzeichnen.

Ob das Modell bundesweit eingeführt wird, hängt von den Ländern ab. Das Ministerium strebt eine einheitliche Lösung an. Einzelne Bundesländer könnten jedoch auf eine Teilnahme verzichten. Auch sicherheitsrelevante Fragen spielen eine Rolle, wie sie etwa beim Warntag regelmäßig überprüft werden.

Theorieunterricht in Fahrschulen und 840 Prüfungsfragen

Die Reform betrifft auch den Theorieunterricht. Künftig dürfen Fahrschulen selbst entscheiden, in welchem Format sie unterrichten. Präsenzunterricht bleibt möglich. Digitale Medien ebenfalls. Diese Regelung gilt für alle Fahrzeugklassen.

Zudem entfallen detaillierte Vorgaben zu Unterrichtsräumen und Lehrmitteln. Bisher waren unter anderem Quadratmeterzahl pro Schüler, Raumluftvolumen und Größe der Schreibunterlage festgelegt. Schnieder bezeichnete dies als „bürokratischer Irrsinn“ und kündigte den Abbau zahlreicher Vorschriften an.

Der Fragenkatalog der theoretischen Prüfung wird von 1.169 auf 840 Fragen reduziert. Auch die Zahl verpflichtender Sonderfahrten sinkt deutlich. Statt bisher 12 Fahrten bei Nacht, auf Autobahnen oder im Überlandverkehr sollen künftig 3 genügen. Zusätzlich können Fahrschulen verstärkt Fahrsimulatoren einsetzen, etwa für das Training mit Schaltgetriebe.

Verkehrssicherheit bleibt dabei ein zentrales Thema. Diskussionen über Risiken im Straßenverkehr zeigen auch Berichte über gefährliche Radwege in Hamburg.

Belgien, Luxemburg und Österreich im Kostenvergleich

Die durchschnittlichen Kosten für den Pkw-Führerschein liegen in Deutschland bei 3.400 Euro. In Belgien betragen sie rund 2.000 Euro. In Luxemburg etwa 1.500 Euro. Auch in Österreich sind die Anforderungen teilweise geringer.

LandDurchschnittliche Kosten Pkw-Führerschein
Deutschland 3.400 Euro
Belgien 2.000 Euro
Luxemburg 1.500 Euro

Nach Angaben von Patrick Schnieder ist der Führerschein in Deutschland „einfach zu teuer“. Er betont jedoch, dass die Reform nicht zulasten der Verkehrssicherheit gehen werde. Der TÜV warnte zuvor vor einer pauschalen Absenkung von Anforderungen. Schnieder wies diesen Vorwurf zurück und verwies auf die Nachbarländer, in denen der Straßenverkehr trotz niedrigerer Standards nicht unsicherer sei.

Weitere Informationen zur aktuellen Verkehrspolitik stellt das Bundesverkehrsministerium bereit.

TÜV, Dekra und zentrale BMV-Datenbank

Ein weiterer Bestandteil ist die Transparenz der Preise. Fahrschulen sollen künftig verpflichtet werden, ihre Preise an eine zentrale Datenbank des BMV zu übermitteln. Vergleichsportale könnten diese Daten auswerten. TÜV und Dekra sollen zusätzlich Prüfungsstatistiken liefern.

Die Durchfallquoten bleiben hoch. Laut TÜV scheiterten 41 Prozent der Fahrschüler im vergangenen Jahr an der theoretischen Prüfung. Fast jeder dritte Prüfling musste die praktische Prüfung wiederholen. Insgesamt wurden über alle Fahrzeugklassen hinweg mehr als 2 Millionen Prüfungen abgelegt. Die Zahl der Fahrausbildungen erreichte damit ein Rekordniveau. Mehr Hintergründe zu aktuellen Entwicklungen im Norden finden Leser mehr hier.

Ende März will Schnieder die Reform auf der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern abstimmen. Danach soll das Gesetzgebungsverfahren beginnen. Wann und in welchem Umfang Fahrschüler finanziell entlastet werden, ist derzeit noch offen.

FAQ

Was ist das zentrale Ziel der Führerscheinreform 2026?

Das zentrale Ziel ist es, die Kosten für den Pkw-Führerschein zu senken und die Ausbildung flexibler sowie weniger bürokratisch zu gestalten.

Wer darf künftig als Laienausbilder fungieren?

Nahe Angehörige oder enge Freunde dürfen ausbilden, wenn sie seit mindestens 7 Jahren die Fahrerlaubnis Klasse B besitzen, in den vergangenen 3 Jahren keinen Führerscheinentzug hatten und maximal 1 Punkt in Flensburg eingetragen ist.

Wie viele Kilometer müssen bei der Laienausbildung gefahren werden?

Im Rahmen der geplanten Regelung sind 1.000 Kilometer begleitete Fahrpraxis vorgesehen, zusätzlich zu jeweils 6 verpflichtenden Fahrstunden vor und nach der Übungsphase in der Fahrschule.

Was ändert sich bei der theoretischen Prüfung?

Der Fragenkatalog wird von 1.169 auf 840 Fragen reduziert. Zudem erhalten Fahrschulen mehr Freiheit bei der Gestaltung des Theorieunterrichts, auch digitale Formate sind möglich.

Wie entwickeln sich die Durchfallquoten bei den Prüfungen?

Laut TÜV scheiterten 41 Prozent der Fahrschüler an der theoretischen Prüfung. Fast jeder dritte Prüfling musste die praktische Prüfung wiederholen.

Wie hoch sind die durchschnittlichen Kosten für den Führerschein in Deutschland?

Der Pkw-Führerschein kostet in Deutschland durchschnittlich 3.400 Euro. In einigen Regionen können die Kosten bis zu 4.500 Euro betragen.

Wann soll die Reform in Kraft treten?

Die Reform soll nach der Abstimmung auf der Verkehrsministerkonferenz Ende März in das Gesetzgebungsverfahren gehen. Ein konkreter Zeitpunkt für finanzielle Entlastungen steht noch nicht fest.

Quelle: HAMBURGER ABENDBLATT, MILEKCORP