Inhaltsverzeichnis:
- Fast jeder vierte stuft sich politisch rechts ein
- Arbeitsbedingungen und Belastung als Risikofaktoren
- Jungfer kritisiert die Repräsentativität
- Empfehlungen für Bildung und Strukturwandel
Fast jeder vierte stuft sich politisch rechts ein
23 Prozent der Befragten ordnen sich selbst politisch rechts oder rechtsaußen ein. Diese Selbsteinschätzung stellt eine zentrale Erkenntnis der Erhebung dar. Sie wirft Fragen zum demokratischen Selbstverständnis innerhalb der Institution auf. Auch im Bereich gesellschaftlicher Vorurteile liefert die Studie deutliche Ergebnisse:
- 45 Prozent äußerten abwertende Einstellungen gegenüber Asylsuchenden.
- Minderheiten wie Sinti und Roma sowie Langzeitarbeitslose waren ebenfalls Ziel negativer Bewertungen.
- 33,7 Prozent der Teilnehmenden zeigten eine Affinität zu populistischen Ideen.
- 6,8 Prozent neigten zu Verschwörungserzählungen.
Diese Zahlen zeigen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Polizei Hamburg demokratiekritischen oder exkludierenden Denkmustern gegenüber offen ist.
Arbeitsbedingungen und Belastung als Risikofaktoren
Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Arbeitsrealität vieler Befragter. Zahlreiche Polizistinnen und Polizisten berichteten von hoher psychischer Belastung, mangelnder Anerkennung und zu geringer Mitbestimmung im Dienst. Laut Forschenden kann genau das den Nährboden für demokratiefeindliche Einstellungen bilden. Wer sich im Berufsalltag abgehängt fühlt, entwickle eher Misstrauen gegenüber politischen und gesellschaftlichen Strukturen.
Die Forscherinnen und Forscher betonen, dass es nicht um pauschale Kritik an der Polizei gehe. Vielmehr sei es notwendig, strukturelle Schwächen offen zu benennen. Der Dienstalltag, das Verhalten im Team und das Rollenverständnis im Einsatz spielen laut Studie eine große Rolle bei der Prägung demokratischer Haltungen.
Jungfer kritisiert die Repräsentativität
Thomas Jungfer, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Hamburg, äußerte sich kritisch zur Aussagekraft der Studie. Er verwies darauf, dass nur knapp 13 Prozent der Gesamtbelegschaft teilgenommen hätten. In seinen Augen sei die Untersuchung daher „wenig repräsentativ“. Dennoch stellte er die Inhalte der Befragung nicht grundsätzlich infrage.
Empfehlungen für Bildung und Strukturwandel
Das Forschungsteam spricht klare Empfehlungen aus. Um demokratische Werte nachhaltig zu stärken, seien folgende Schritte notwendig:
- Ausbau politischer Bildung bereits in der Ausbildung.
- Bessere Führungsstrukturen, die Mitbestimmung fördern.
- Gezielte Reformen im Berufsalltag, etwa bei Arbeitsbelastung und Anerkennungskultur.
- Stärkung kollegialer Werte wie Respekt und Teamgeist im Dienst.
Besonderes Augenmerk legen die Forschenden auf das soziale Klima innerhalb der Dienststellen. Eine Kultur der Besonnenheit und Kollegialität könne helfen, demokratische Grundhaltungen zu fördern. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Reformen auf mehreren Ebenen erforderlich sind – nicht nur im Bildungsbereich, sondern auch in der Führung und im täglichen Miteinander.
Quelle: Tagesschau, www.24hours-news.net/de/